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Blog

Sie sehen Marlene Kern vor Exponaten ihrer Ausstellung »Männerbilder« im Rathaus der Stadt Unterschleißheim.

ÜBER DIESE AUSSTELLUNG.
WARUM ES SICH LOHNT,
GEFÜHLE ZU ZEIGEN

  |   Allgemein

Kommunizieren ist nicht leicht – ist es schon nicht einfach, sich eigener Empfindungen überhaupt bewusst zu sein, ist es noch viel schwerer, diese zu zeigen. Dies gilt für Frauen ebenso wie für Männer. Authentisches Empfinden und Handeln scheint durch den gesellschaftlichen Wunsch nach dem ausschließlich Starken und Guten verloren zu gehen. Besonders Männer scheinen den emotionalen Teil ihrer Persönlichkeit zugunsten gewünschter Darstellungen zu opfern. Denn Bilder von starken, souveränen Männern lassen sich leicht finden. Aber wo sind Bilder von unsicheren, weinenden Männern, von Männern, die nicht weiter wissen? Wo sind diese Emotionen?

Als ich im Sommer 2014 für eine Malwoche in der Toskana ein Thema überlegte, fand ich die Idee reizvoll, mich bei der malerischen Suche nach verborgenen Gefühlen auf die Darstellung von Männern zu konzentrieren. So entstand die erste Serie großformatiger Acrylarbeiten. Hier interessierten mich besonders Gefühle und Eigenschaften, die den gesellschaftlich gewünschten entgegenstehen. Ich malte Ängste, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Skrupellosigkeit und Machtgesten. In der gesellschaftlichen Verbannung ungeliebter Eigenschaften und Gefühle liegt ein großer Irrtum. Denn trotz aller Verleugnung, sie sind ja dennoch da und schwelen quasi im Untergrund vor sich hin. Deshalb zeige ich diese »Emozioni non grata« in meinen »Männerbildern«. Indem ich sie auf die Leinwand bringe, mache ich sie gesellschaftsfähig und schenke ihnen den Raum, den sie verdienen.

Als ich mit Blick auf meine Ausstellung im Bürgerhaus Unterschleißheim über einen erweiternden Aspekt für die Serie 2 meiner »Männerbilder« nachdachte, begegneten mir Fotografien des syrischen Flüchtlingskontexts, die mich unmittelbar sehr berührten. Im Gegensatz zur Serie 1 werden in lebensbedrohlichen Situationen Emotionen unmittelbar gezeigt. Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung lassen keine Zeit für Abwägungen. Gefühl und Ausdruck scheinen eins zu sein und verbinden Hilflose mit herbei eilenden Helfern emphathisch.

Serie 1 und Serie 2 stehen sich als innere und äußere Fluchten gegenüber.
Während die Figuren der ersten Serie, die ihre Empfindungen nicht zeigen, alleine bleiben, erreichen die Schiffbrüchigen« der zweiten Serie, die ihre Emotionen unmittelbar zeigen, die Herzen anderer – kommunizieren gelingt.